Was HIV-Patienten vor allem brauchen? Unsere Unterstützung.

Was Sie und Ihr Team tun können.

ERKENNEN: HIV-SYMPTOME.

Erkennen: HIV-Symptome.

Jeder kennt sie. Aber mancher verkennt sie.

 

Symptome, die auf eine mögliche HIV-Infektion deuten

Dank eines rasanten medizinischen Fortschritts ist HIV inzwischen eine gut behandelbare chronische Erkrankung geworden. Durch erfolgreich unterdrückte Viruslast kann sogar eine Ansteckung Dritter verhindert werden. Dennoch bestehen immer noch therapeutische Herausforderungen: Nach wie vor ist HIV nicht heilbar und es erfordert eine lebenslange Therapietreue, um das Virus in Schach zu halten und Resistenzen zu vermeiden.

Umso wichtiger ist eine frühzeitige Diagnose, die eine besondere Aufmerksamkeit erfordert. Warum? Viele Anzeichen lassen zunächst harmlosere Erkrankungen vermuten. Deshalb sollten Sie bei diesen Symptomen hellhörig werden:

Anzeichen einer akuten/primären HIV-Infektion (nach Vorhersagestärke):

• Fieber mit Hautausschlag 46%
• Fieber 80%
• Hautausschlag 51%
• Orale Ulzera 37%
• Arthralgie/Gelenkschmerzen 54%
• Pharyngitis 44%
• Appetitverlust 54%
• Gewichtsverlust über 2,5 kg 32%
• Allgemeines Krankheitsgefühl 68%
• Myalgie/Muskelschmerzen 49%

Quelle: Modifiziert nach: Hecht FM et al. Use of laboratory tests and clinical symptoms for identification of primary HIV infection. AIDS 2002; 16:1119-1129

Goelz Broschuere

Empfehlen: Auf HIV testen.

Empfehlen: Auf HIV testen.

Die wichtigste Voraussetzung für eine gute Prognose: Von der HIV-Infektion wissen

Lieber einmal zu viel testen

Ca. 30 % aller HIV-Erstdiagnosen in 2016 fanden in einem schon fortgeschrittenen Stadium der Infektion statt - man spricht von sog. „Late presentern“. Menschen, deren HIV-Infektion so spät entdeckt wurde haben selbst bei optimaler HIV-Behandlung ein erhöhtes Risiko, auch nicht-AIDS assoziierte Erkrankungen zu entwickeln. Stigmatisierung und Diskriminierung sind Hürden für die frühe Diagnose und Therapie.

Herausforderung bei der Patienten-Identifikation

HIV hat viele Gesichter und nicht jeder, der ein potentielles HIV Infektionsrisiko hat, ist sich dessen bewusst und lässt sich testen. Menschen mit einer HIV-Infektion sieht man die Erkrankung nicht an, frühe Symptome werden fehlgedeutet oder die Chance auf gezieltes Nachfragen verpasst.

Zwar können HIV-Infektionen – nach einer anfänglichen unspezifischen Reaktion auf die Infektion – lange Jahre nahezu asymptomatisch verlaufen, jedoch zeigen sich oft Indikator-Symptome, die auch in frühen Stadien auf eine HIV-Infektion hindeuten können . Bei deutlicher Schwächung des Immunsystems treten dann vermehrt opportunistische Infektionen oder Aids-definierende Erkrankungen auf.

Soweit muß es nicht kommen. Schon bei den sogenannten Indikatorerkrankungen wird dringend ein HIV-Test empfohlen.

 

Indikatoren und Empfehlungen

Test ausdrücklich empfehlen:
• Potenzielle AIDS-definierende Erkrankungen
• Sexuell übertragbare Erkrankungen (STIs)
• Anale/zervikale Dysplasien
• Herpes Zoster
• Hepatitis B/C
• Ungeklärte Leukozytopenie/Thrombozytopenie > 4 Wochen
• Seborrhoische Dermatitis
• Invasive Pneumokokkeninfektion

 

Test vorschlagen:
• Orale Haarleukoplakie
• Schwere oder atypische Psoriasis
• Periphere Neuropathie
• Ungeklärte chron. Diarrhöe
• Ungeklärter chron. Niereninfarkt
• Ambulant erworbene Pneumonie
• Candidiasis

Quelle: Modifiziert nach HIV-Indikatorenerkrankungen: Leitfaden zur Durchführung von HIV-Tests bei Erwachsenen in Einrichtungen des Gesundheitswesens. www.hiveurope.eu

 

Diagnostikempfehlung bei Risiken unter epidemiologischem Aspekt

• Sexarbeiter/Innen:
STI-Untersuchung alle 3-6 Monate, HIV-Test alle 12 Monate
• Sexuell aktive Männer, die Sex mit Männern haben (MSM):
HIV/STI-Tests mind. alle 6-12 Monate (bei anamnestisch höherem Risiko alle 3-6 Monate)
• Drogengebrauchende Personen:
HIV/STI-Tests mind. alle 12 Monate

Quelle: Auswahl aus S1-Leitlinie 059/006: STI/STD – Beratung, Diagnostik und Therapie, Stand: 07/2015

Wie spreche ich einen HIV-Test bei meinen Patienten an?

Einen Patienten auf einen HIV-Test anzusprechen kann auch für den Arzt eine ungewohnte, unangenehme Situation sein. Die Deutsche Aidshilfe bietet Hilfestellungen an, wie Sie damit umgehen können.

Handeln: Was tun bei HIV?

Handeln: Was tun bei HIV?

HIV kennt keine Ruhepause. Weshalb wir genauso tätig sein sollten.

Wie Sie aktiv werden können.

Ob Testempfehlung, Frühdiagnose, der richtige Praxis-Umgang mit HIV oder Überweisung an einen Spezialisten: Selbst, wenn Sie keine Schwerpunktpraxis oder HIV-Ambulanz sind, können Sie eine Menge tun. Das Wichtigste im Überblick:

Frühdiagnosen – warum sind sie wichtig?

Von 3.700 Erstdiagnosen in 2016 wurden bei ca. 30% (1.100) bereits ein fortgeschrittener Immundefekt festgestellt.

Quelle: Robert-Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 47/2017:536

 

Frühdiagnosen – wie stelle ich sie?

• Auf Indikatoren achten
• Potentielle Risiken über Anamnese erfragen
• Initiativ HIV-Test anbieten

Übrigens: HIV ist eine meldepflichtige Erkrankung, die Kostenerstattung für den Test ist gegeben (EBM-Ziffer 32006)

Frühdiagnosen – was bringen sie?

Sie helfen:

• den Behandlungsverlauf zu begünstigen1
• das Risiko für Begleiterkrankungen zu verringern1
• die Lebenserwartung zu erhöhen1
• einer HIV-Übertragung vorzubeugen2

Quelle: 1. Initiation of antiretroviral Therapy in Early Asymptomatic HIV Infection, The INSIGHT START Study Group. N: Engl J Med 2015; 373:795-807; 2. Mehta et al. Using HIV Sequence and Epidemiologic Data to Assess the Selfreferral Testing for Acute on Incident Diagnoses in San Diego, California, Clin Infect Diseases; 2016;63(1):101-107

Positive Diagnose – was bedeutet das?

Für eine erfolgreiche HIV-Therapie und zum Schutz vor Resistenzbildungen ist die konsequente tägliche Medikamenteneinnahme Voraussetzung – nach heutigem Stand ein Leben lang. Eine Heilung der HIV-Infektion im klassischen Sinne ist derzeit nicht möglich. Deshalb müssen HIV-Patienten regelmäßig untersucht und versorgt werden.

Die HIV-Therapie ist immer individuell und erfordert eine hohe Therapietreue, um erfolgreich zu sein. Zudem müssen bei der Gestaltung einer lebenslangen Therapie auch mögliche Wechselwirkungen und Langzeittoxizitäten sowie geänderte Anforderungen auf Patientenseite (z. B. höheres Alter, Komorbiditäten, Lebensstil-Veränderungen) berücksichtigt werden.

Es gibt eine kontinuierliche Weiterentwicklung von HIV-Medikamenten, die wirksamer, leichter einzunehmen, besser kombinierbar und verträglicher sind. Gemeinsam mit dem
HIV-Schwerpunktarzt können Hausarzt und Patient die optimale Therapieeinstellung finden. Ist dies nicht gewährleistet, kann es zu einem Fortschreiten des Immundefekts, mehr Begleiterkrankungen und erhöhten Folgekosten für das Gesundheitswesen kommen.

Bei der Betreuung von Patienten, die keinen Krankenversicherungsschutz haben, können möglicherweise die lokale Migrationsstelle, das Gesundheitsamt oder die AIDS-Hilfe vor Ort weiterhelfen.

Positive Diagnose – wohin überweisen?

HIV-Therapien sind komplex. Überweisen Sie Ihre Patienten an:
• ein HIV-Schwerpunktzentrum
• eine HIV-Ambulanz
• an die nächstgelegene HIV-Schwerpunktpraxis

Eine Übersicht aller Praxen finden Sie hier.

Grippe?

Oder HIV?

HIV – wie gehe ich in der Praxis damit um?

Auch im Praxisumfeld ist das Thema HIV nach wie vor mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden – im Umgang mit der Infektion selbst oder der Sorge, dass sich andere Patienten abwenden, wenn sie erfahren, dass auch HIV-Patienten behandelt werden. Ein paar Fakten, um Überreaktionen zu vermeiden:

• HIV wird weder über direkten Hautkontakt, noch aerogen übertragen.

• Die Maßnahmen zur Basishygiene reichen völlig aus, um das Praxispersonal und andere Patienten vor einer HIV-Infektion zu schützen. Dazu gehören z. B. das korrekte Sterilisieren von Instrumenten und die Verwendung von Einwegmaterial.

• Eine erweiterte Schutzausrüstung, die Desinfektion des gesamten Raumes oder das Einbestellen HIV-infizierter Patienten zum Ende der Sprechstunde sind unnötig und diskriminierend.

• So weist zum Beispiel die Bundeszahnärztekammer ausdrücklich darauf hin, dass unabhängig von der Viruslast KEINE zusätzlichen Maßnahmen zu Hygiene und Arbeitsschutz bei der Behandlung von HIV-Patienten getroffen werden müssen.

• Tatsächlich wissen viele Patienten nichts von ihrer Infektionserkrankung wie HIV oder Hepatitis – oder verschweigen sie aufgrund negativer Erfahrungen. Daher sind alle Patienten so zu behandeln, als hätten sie eine infektiöse Erkrankung.

HIV – was tun bei Praxisunfällen?

Sollte es wider Erwarten zu einem Praxisunfall kommen, bei dem sich Mitarbeiter verletzen und direkt mit Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen, besteht die Möglichkeit einer Postexpositionsprophylaxe (PEP), mit der sich eine mögliche HIV-Infektion verhindern lässt.

Diese sollte innerhalb von zwei bis 24 Stunden, spätestens aber nach 48 Stunden von einem HIV-Experten durchgeführt werden. Weiterführende Infos zur PEP finden Sie hier.

VERHINDERN: DISKRIMINIERUNG

Verhindern: Stigma und Diskriminierung

Die schlimmste Begleiterscheinung von HIV? Stigmatisierung.

Wie Sie Stigmatisierung verhindern

Nicht nur medizinisch gesehen, sondern auch gesellschaftlich wurde viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun: Noch immer erfahren Betroffene in vielen Lebensbereichen Diskriminierung und Stigmatisierung: Der Partner oder die Partnerin wendet sich ab, die Familie schweigt das Thema tot, Freunde ziehen sich zurück oder Restaurants sind plötzlich ausgebucht, wenn der Kellner erfährt, dass die Tischreservierung für eine HIV-Selbsthilfegruppe ist.

Diskriminierung im Praxisumfeld

Noch erschreckender ist, dass diese Ausgrenzung nicht nur im privaten und beruflichen, sondern auch im medizinischen Umfeld stattfindet. Laut der Studie „Positive Stimmen“ der Deutschen AIDS-Hilfe:

• wurde jedem 5. eine medizinische Behandlung verweigert
• gingen 10% nicht in eine Arztpraxis, obwohl es nötig gewesen wäre
• erlebten 18% schon einmal eine Zurückweisung im Medizinbetrieb
• halten 13% den Umgang mit ihren medizinischen Unterlagen für nicht vertraulich

So werden in einigen Arztpraxen Patientenakten mit einem weithin sichtbaren „HIV+“ gekennzeichnet. Das Praxispersonal spricht wenig diskret über „den HIV-Positiven, der als Nächstes dran ist“, und im Glauben, dass spezielle Hygienemaßnahmen notwendig seien, werden Behandlungen ans Ende der Sprechstunde gelegt oder schlichtweg abgelehnt.

Unbegründete Angst vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus […] ist oftmals Ursache für Diskriminierung.

Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Stigmatisierung stoppen

Geben Sie der Stigmatisierung keine Chance. Bleiben Sie aufmerksam und schreiten Sie ein, sobald Sie eine Form von Ausgrenzung bemerken. Was dabei hilft? Wissen und Aufklärung. Deshalb finden Sie hier Hilfestellung, wie man mit Stigmatisierung umgeht.

"Nicht die Krankheit schmerzt. Sondern Freunde, die mich nicht mehr umarmen wollen." Eva, 43, HIV-positiv seit vier Jahren

DE/HIV/0173/16(4)